Mal etwas anderes

Schon während der Ironman-Vorbereitung hatte ich mir vorgenommen, wenn der Saisonhöhepunkt vorbei ist, gehe ich in die Berge.
Nachdem hierfür im September das Wetter, zumindest an den Wochenenden, leider nicht so optimal war, kamen wir erst Mitte Oktober zu unserer ersten Bergwanderung.
Einmal im Jahr gehe ich mit fünf Kollegen in die Berge und so wollten wir bei herrlichem Wetter an den Spitzingsee, mit dem Ziel auf die Rotwand (1884 m) zu wandern. Weil es eine der bekanntesten Routen im Münchner Raum ist, machten wir uns recht früh auf den Weg und wählten den mit über 4 Stunden deutlich längeren Aufstieg, anstatt den viel begangenen kürzeren Weg. Diese Entscheidung war goldrichtig, denn wir trafen kaum auf andere Wanderer und konnten so die wunderbare Landschaft genießen 🙂 .

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Ich liebe die Herbstfärbung mit ihren unglaublich vielfältigen Farben.
Natürlich ist der Indian Summer in den Staaten noch spektakulärer und man sollte ihn auch mal bewundert haben, aber deutlich günstiger, damit auch öfter machbar und auch wunderschön kann man den Herbst auch in unseren Wäldern erleben 😉 .

Umso größer war dann der Schock, als wir dann bei der Rotwandhütte ankamen. Es war voll! Rappel voll!!! Wo kamen auf einmal all diese Menschen her?

IMG-20171019-WA0014Nach einer kurzen Rast machten wir uns weiter auf den Weg hoch zum Rotwand-Gipfel. Allerdings kam nicht so recht Freude dabei auf, denn der leichte Anstieg gestaltete sich wie ein Gänsemarsch Samstagnachmittag in der Fußgängerzone 😦 .
Trotzdem haben wir natürlich die grandiose Aussicht auf die umliegende Berglandschaft genossen und ein paar Gipfelfotos geschossen.


Für den Abstieg haben wir dann auch den kurzen Weg gewählt, weil ganz in der Nähe eine der besten Konditorei von ganz Oberbayern mit sagenhaften Torten auf uns wartete. 🙂 🙂 🙂

Kann es das mit dem Bergwandern in 2017 denn schon gewesen sein??
Natürlich nicht !!
Eigentlich hatten wir mit Freunden vor, am 500. Tag der Reformation gemütlich in der Sauna den Thesen Martin Luthers zu gedenken 😉 .
Nur war es wider Erwarten schon früh am Morgen strahlender Sonnenschein. Zwar knapp 3°, aber Sonne.  Da die Anderen trotzdem am ursprünglichen Vorhaben festhalten wollten, entschloss ich mich allein noch einmal in die Berge zu gehen. Mit Freude nahm ich meine Flexibilität und Spontanität zur Kenntnis 🙂 .
Mein Ziel war die Tegernseer Hütte, deren atemberaubende Lage mich schon vor vier Jahren beeindruckt hat.
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Durch den Abstimmungsprozess mit den Anderen kam ich etwas später auf dem Ausgangsparkplatz an und man sah deutlich, dass ich nicht allein die Idee hatte diesen tollen Tag für eine Bergwanderung zu nutzen 😉

Trotz Sonne war es mit knapp vier Grad immer noch frisch und im Schatten noch ein bisschen frischer. Da ich ja nun allein unterwegs war und mein Tempo selbst bestimmen konnte, sollte dies durchaus etwas flotter ausfallen. So machte ich mich an den Aufstieg , der besonders im unteren Bereich gleich steil losging und ich dabei richtig ins schwitzen kam. Ich Dummy, hatte allerdings nicht daran gedacht, mir für den Abstieg trockene Kleidung mitzunehmen.  Flachländer halt !!

Es machte richtig Spaß mit flottem Schritt andere Wanderer zu überholen.
Aber immer mit Blick auf den matschigen und dadurch auch rutschigen Weg und natürlich immer wieder auch ein Auge auf die tolle Natur und Zeit für Fotostops.
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Mit zunehmender Höhe wurde dann aus dem Matsch immer mehr Schnee, bis der Weg und die gesamte Umgebung vollständig in weiß gekleidet waren. Echt Schnee, das war richtig cool 😉 .


Nun stand eine Entscheidung an. Entweder auf dem normalen Weg weiter zur Hütte oder auf dem direkterem Weg mit Klettereinlagen hoch nach oben. Ich konnte mich daran erinnern, dass die Kletterpassagen vor vier Jahren für mich bei Trockenheit kein Problem waren. Das wird jetzt mit Schnee und zugegeben dafür nicht ganz optimalen Schuhwerk sicherlich etwas schwieriger. Da ich wie bereits erwähnt nur auf mich allein achten musste, beschloss ich es einfach zu versuchen. Und? Es war einfach grandios! Ich mag diese Herausforderungen sehr und den Kitzel etwas (für mich) nicht alltägliches, zu tun und die volle Kontrolle dafür zu haben, welchen Schritt man als Nächstes macht.
So kam ich dann auch wohlbehalten an der Hütte an, machte mich aber gleich weiter auf den Weg hoch zum Roßstein (1698 m) und ließ mich wieder von der überwältigenden Aussicht fesseln. Dann ging es wieder das kurze Stück hinunter zur Hütte und ich fand einen Platz auf der Sitzbank direkt über dem Abgrund. Bei dieser Hammeraussicht schmeckten die Wiener Würstchen und das Spezi besonders gut 🙂 .

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Und wieder Stand die Entscheidung an. Entweder wieder klettern wie auf dem Hinweg oder den etwas ruhigeren Weg, der bezeichnenderweise „Altweibersteig“ heißt wie die meisten Wanderer zu nehmen. Ich dachte ruhig und gemütlich kann ich auch wenn ich (noch) älter bin 😉 und wählte wieder die leicht kribbelnde Variante. Diesmal war ich aber doch froh, dass an den besonders anspruchsvollen Passagen Stahlseile gespannt waren. Durch die Sonne war der Schnee angeschmolzen und dadurch richtig rutschig geworden.
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Auf den dann flacher werdenden Abschnitten war ich dann wieder flotter unterwegs, was sich abends dann in den Knien bemerkbar machte. Auch die Hose und die Schuhe haben beim flotten Abstieg noch einmal ordentlich Matsch abbekommen. 🙂
Trotzdem ließ ich mich nicht davon abhalten der zweitbesten Konditorei am Tegernsee einen Besuch abzustatten und beendete diese schöne Bergtour traditionell mit zwei sehr leckeren Stücken Torte  🙂 🙂 🙂

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass dieses Bergwandern eine sehr schöne Ergänzung zum Triathlonsport ist und auch konditionell und muskulär durchaus anspruchsvoll sein kann. Es macht mir richtig Spaß, in so einer tollen Kulisse, als Stadtkind, die Natur zu genießen und unterwegs zu sein.

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Ein Vorhaben musste ich jedoch verschieben, aber für 2018 steht die Besteigung eines 3000-ers oben auf meiner Bucket-List 😉 .