Manchmal geht es um Sekunden

Zuerst hatte ich vor, diesen Bericht zu teilen, weil es ja auch zwei sehr unterschiedliche Marathonhälften waren. Aber ein Marathon ist nun einmal keine zwei Halbmarathons und deswegen auch nur ein Bericht, dafür etwas länger, wie es sich für einen Marathon gehört.
Zur Überschrift, gerade im Sport können Sekunden entscheidend sein. Sie entscheiden über Rekorde, Siege, Niederlagen oder Enttäuschungen.

KM 34: Ich sah auf die Uhr und wusste, dass es jetzt richtig schwer werden würde. Nicht den Marathon selbst zu schaffen, da war ich mir ziemlich sicher, aber die angestrebte Zielzeit von 3:59 Std. zu erreichen, kamen jetzt Zweifel auf.
Aber fangen wir am Start an. Es waren frische 7° als sich die Läufer/-innen auf der Reichsbrücke aufbauten und den Start zum 34 Wien-Marathon entgegenfieberten.
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Aufgrund der Firmengruppen-Anmeldung war ich im 3. Startblock. Hier mussten wir noch weitere 15 Minuten warten, bis auch wir, nach der ersten und zweiten Gruppe,
auf die 42 KM geschickt wurden. Über die volle Reichsbrücke und damit über die Donau hinweg mit all den Läufern/-innen hatte schon ein klein wenig von New York 🙂
Zum ersten Mal lief ich einen Wettkampf mit jemand Anderen zusammen. Ich hatte in der Vorbereitung viele Läufe mit meinem Kollegen Karl gemacht und dabei kam der Entschluss gemeinsam mit einem Schnitt von 5:40 Min/km die 4 Stundenmarke anzugehen. Die ersten Km über die Brücke und im Prater liefen trotz der vielen Teilnehmer recht gut, aber dann wurde es zunehmend enger auf den Straßen und man bekam eine Vorstellung davon, dass hier immerhin 42.700 Läufer/-innen auf der Marathon- und Halbmarathondistanz unterwegs waren.
Trotzdem spulten wir die Km kontinuierlich im Bereich von 5:20 – 5:30 Min/km ab. Unterbrochen nur von mir, wenn ich wegen der Abstecher ins Gebüsch mit einer kleinen Tempoeinlage von 4:50 Min/km wieder an meinen Kollegen heran laufen musste 🙂 🙂 🙂 .
So flogen die Km an uns vorbei und schneller als erwartet hatten wir die Halbmarathonmarke erreicht. Die KM 20 und 21 waren leicht abschüssig und damit ideal für den Endspurt ins Ziel. Aber es lag die gleiche Strecke noch einmal vor uns. Die erste Hälfte hatten wir in guten 1:57 Std. geschafft und etwas euphorisch rief ich meinen Freund Karl zu, dass es mit dem Teufel zugehen müsste, wenn wir die zweite Hälfte nicht in 2:03 Std. schaffen würden. Das hatte dieser wohl gehört, Den Teufel meine ich, nicht Karl und der wollte diese Aufforderung nicht auf sich sitzen lassen. Schon bei KM 29 meldete er sich zum ersten Mal. Karl machte mir klar, dass er das Tempo, obwohl wir inzwischen bei 5:50 Min/km waren, nicht länger mithalten konnte. Er schickte mich mit den Worten, ich solle ja nicht langsamer werden, allein weiter.
Nur das war leichter gesagt als getan. Es wurde zunehmend wärmer und ich wurde zunehmend langsamer 😦 . Obwohl ich ab Km 10 regelmäßig getrunken hatte und bei
Km 15 und 25 jeweils ein Gel genommen hatte, wurde der langsame Zerfall zusehens auf der Uhr sichtbarer.
Ich weiß nicht, ob die Gel-Einnahmen für mich so richtig ist. Im Training ist alles super, aber im Rennen habe ich immer wieder Probleme damit. Wie schon beim Havanna-Marathon, hatte ich auch in Wien ein bis zwei Kilometer nach der Gel-Einnahme Probleme, aber nicht mit dem Magen , sondern mit dem Herzkreislauf. Danach war es jedoch jedes Mal wieder gut und es lief dann auch eine Weile wieder besser. Ganz auf Gel möchte ich bei den längeren Distanzen aber auch nicht darauf verzichten. Also weiter ausprobieren.
Also bei Km 35 das letzte Gel eingeworfen und gut mit Wasser nachgespült. Jetzt wurde es richtig schwer. Denn auch nach zwei Kilometern zeigte das Gel keine Wirkung . Hinzu kamen jetzt auch Kniebeschwerden , da auch die Beinmuskulatur nachlies.
Was war noch einmal der Grund warum ich das hier mache??? Sicher nicht, weil ich es kann 😉 .
Der Havanna-Marathon war schuld.

Ich war im Vorfeld gut drauf. In München beim Halbmarathon eine 1:47 Std. sollte eigentlich reichen. Daraus wurde bekanntlich nichts auf Kuba. Da kam der Wien-Marathon mit der Firmen-Laufgruppe gerade recht, um es einmal noch besser zu machen.Ausserdem hatte ich nachgeschaut und musste weit zurückschauen, wann ich das letzte Mal unter 4 Std. gelaufen war. Das war je einmal in 1997 und 1998 !
O. k. dazwischen lagen war auch 10 Jahre Marathonpause.
KM 41= Sollte es jetzt leicht abschüssig gehen ins Ziel gehen?? Das Gegenteil war der Fall. Die beiden Halbmarathonstrecken waren eben doch nicht gleich. Es soll helfen, wenn man sich vorher etwas mit der Strecke vertraut macht. Jetzt ging es leicht, sehr leicht bergan und dazu kam spürbarer Gegenwind. Der Wind war während des ganzen Marathons gegenwärtig. Wie dem auch sei, ich war inzwischen völlig fertig und mir war längst klar, dass es mit einer Zeit von unter 4 Std. nichts werden wird.
Einen Adrenalinschub durch die Menge jubelnder Zuschauer gab es noch einmal. Besonders laut wurde es 500 m vor dem Ziel, als die Kollegen, die den HM gelaufen waren, mich frenetisch anfeuerten (sie hätten vlt. 1,5 Km vor dem Ziel stehen sollen 😉 .
Ein letztes aufbäumen, einmal noch die Beine in die Hand nehmen und völlig unkoordiniert noch ein paar Läufer überholen. Waren die etwa noch fertiger als ich? Nein, dass ging nicht, ich gklaube die haben einfach den Zieleinlauf genossen, wie es eigentlich sein sollte 🙂 .
Also durch den Zielbogen , über die Zeitmessmatten, auf die Uhr gedrückt und……
                                                         4:00:06 Std. !
Kann das war sein? Lächerliche 6 Sekunden zu langsam!

O.k. ich hatte bereits mit deutlich mehr gerechnet. Aber jetzt, wo es doch nur 6 Sekunden waren, war es doch etwas ärgerlich. 
Traurig, unzufrieden, verärgert? Nein, nicht wirklich. Es bin immerhin meine drittbeste Zeit bei einem Marathon gelaufen. So schnell war ich seit 1998 nicht mehr. Dreimal!!! war ich im Gebüsch ( Info an mich: nicht mehr soviel Kaffee zum Frühstück oder einfach mal richtig schwitzen 😉 ). Ich habe wirklich alles gegeben und das ist es doch letztendlich was zählt.  Dazu zeigte mein Garmin eine Strecke von 42,7 KM an.
Also 500 m zuviel gelaufen. Kann es sein, dass die Büsche so weit weg waren??? 

Mein Freund Karl kam übrigens, zwar auch sehr geschafft, aber in für ihn zufriedenstellenden 4:08 Std. ins Ziel. Auf das Stück Wiener-Sachertorte, dass ich ihn für seinen erfolgreich absolvierten 70! Marathon versprochen hatte, habe ich ihn gern eingeladen. 
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Nun das obligatorische Fazit: Aus dem zunächst unrealistischen Ziel, die 4 Std-Marke noch einmal zu unterbieten, wurde dann doch, auch Dank meiner Laufkollegen, ein ernsthaftes Projekt (eigentlich mag ich dieses Wort nicht mehr, da ich mich ständig auf der Arbeit damit herumschlagen muss 😉 ) dass fast erfolgreich abgeschlossen wurde. Allerdings muss ich auch sagen, dass das verstärkte umfangreichere Lauftraining spürbar auf die Knie ging. Ich wurde wieder deutlich daran erinnert, warum ich in 2013 mit dem Triathlon angefangen und mich gleich auf die Langdistanz gewagt hatte.
Jetzt liegt der Fokus natürlich auf dem Ironman in Hamburg, denn während ich das hier schreibe sind es deutlich unter 90 Tage bis zum Start. 
Ich will jetzt, nach dem Besuch bei meiner Tochter in Tokyo, so viel wie möglich aufs Rad, auch wenn das Wetter weiter nicht so mitspielt. Auf der anderen Seite ist der Mai uns noch einige Sonnenstrahlen schuldig und jetzt wäre genau die Zeit um seine Schulden zu begleichen 🙂 .

update: Inzwischen hat unter optimalen Voraussetzungen ein durch Nike gesponserter Versuch stattgefunden, die Marathonmarke von 2 Std. zu knacken.
Trotz einer fantastischen Leistung wurde die 2 Std. Schallmauer um 30 Sekunden überschritten.  Wie gesagt manchmal geht es um Sekunden.
Dennoch bin ich ganz froh, denn früher, viel früher hatte ich mir mal gesagt, wenn die Elite doppelt so schnell läuft wie ich, dann ist es wohl besser mit dem Marathon aufzuhören. Hat er zum Glück (noch) nicht geschafft 😉 Und außerdem braucht er sich nicht ganz so ärgern, weil seine Zielunterschreitung doch deutlich größer war als meine 🙂 
2. update: auf dem Rückflug von Tokyo hat es mich dann erwischt. Männergrippe und das bei aktuell sonnigen 25 ° :-(((((

Trainingslager

Inzwischen ist es ja schon einige Zeit her und mit etwas Abstand genau richtig um Bilanz zu ziehen.
Also wie war es?
Eigentlich war es wie immer. Das gleiche, gute Hotel wie bereits in den Vorjahren. Damit sind wir auch fast die gleichen Strecken gefahren
Alles halt schon (zu) sehr vertraut. Nein, ganz so war es nun doch nicht.
In meiner Bike-Gruppe waren fast alles neue und nette Leute und auch der Guide war neu.  
Das Wetter war mit nur einem Regentag deutlich besser und auch wärmer. Ein stürmischer Regentag am Montag, der kurzerhand zum Schwimmen und fürs Stabitraining genutzt wurde.
Aufgrund der frühen Anreise20170311_062834

war ich schon vor Mittag in der Anlage und konnte mein Mietrad in Empfang nehmen.
Apropos Rad, die Hürzeler-Mietstation in der Anlage war bei der Reservierung bereits völlig ausgebucht und da ich (mal wieder) spät dran war, konnte ich ein Rad nur im 5 KM entfernten Ort Pollencia reservieren. 😦 .
Manchmal hilft es allerdings sich ein wenig dumm anzustellen und so bin 
einfach zum Verleih in der Anlage gegangen und habe dort ein passendes Rad bekommen. Andere hatten dann später weniger Glück.
Dann ging es flott in die Radklamotten und zum einrollen an die Cala San Vicente. Ich liebe hier einfach den Blick aufs Meer20170311_143935

und natürlich auch den herrlichen Mandelkuchen.
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Am Abend kamen dann die Camp-Teilnehmer und die Guides zum Kennenlernen zusammen.
Das Camp wurde von Mario Schmidt-Wendling geleitet. Ein sehr erfahrener und authentischer Trainer, der auch Profiathleten betreut. Ich habe ihn letztes Jahr bei einem Vortrag kennengelernt und seine klare und einfache und nachvollziehbare Einstellung zum Triathlontraining hat mir gut gefallen.
Am Sonntag ging es dann endlich los. Nach der Gruppeneinteilung war das „offizielle“ einrollen mit 85 KM in der näheren Umgebung von Alcudia.
Ich hatte mich zu der Gruppe von Julia Mai, einer aktiven Profitriathlethin gesellt mit der wir einen Schnitt von 25/26 km/h anvisiert hatten.
Wattgesteuert fuhr sie unglaublich gleichmäßig und konstant. Immer vorn und immer im Wind. Alles mit einer Gleichmäßigkeit wie ich sie so bisher nicht erlebt habe. Darunter litten allerdings die anderen Aufgaben eines Guides. Die Gruppe fuhr sehr oft weit auseinander gezogen und aus einer Zweierreihe wurde auch schon mal eine Fünferreihe 😦 . Hier war ich bislang eindeutig mehr Disziplin gewohnt. Aber wir hatten Glück, alles ist gutgegangen.

Montag war dann wie erwähnt ein Alternativprogramm und am Dienstag ging es dann nach Randa. Von Randa oben, es war wie immer sehr windig, hatten wir bei klarer Sicht einen wunderschönen Überblick über die Insel.
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Mittwoch war der planmäßige Ruhetag, den ich aber wieder fürs schwimmen und zum Stabi-Training genutzt habe.
Am Donnerstag sind wir die für mich schönste Etappe gefahren. Über Cala Radjada und Puerto Christo ging es durch das Orangental. Wunderschön und mit 153 KM die bis dahin längste Tour.
Freitag = Königsetappe. Wurde es auch, zumindest was die Höhenmeter (1.700) anging. Wunderschön ging es mit etwas Anlauf nach Orient hoch, um dann weiter in Richtung Kloster Lluc zu rollen. Hatte ich schon erwähnt, dass auch das Bergfahren wie immer war? Ich komme einfach nicht in einem annehmbaren Tempo die Berge hoch 😦 . Zwar schon gleichmäßig im Rhythmus, aber eben nur sehr, sehr langsam. Zum Glück konnte ich mich bei den oben Wartenden revanchieren und wartete dann eben unten auf sie 🙂 🙂 . Es ist schon erstaunlich, wie flott einige Mädels den Berg hochfliegen, aber aus Respekt vor der Abfahrt am liebsten nicht mehr runter möchten.
Samstag war das Sisu-Trainingscamp zu Ende und trotz des zusätzlichen Ruhetages sind doch noch 560 Radkilometer zusammen gekommen 🙂 .

Fazit: Lohnt es sich ein extra geleitetes Trainingscamp zu buchen? Die Vorteile sind natürlich die gemeinsamen Radausfahrten (am Liebsten in Zweierreihe) und das Kennenlernen und der Austausch mit netten Leuten.
Auf der anderen Seite finde ich mich auf Mallorca inzwischen auch gut allein oder zu zweit zu recht und kann auch meinen Plan, wie im Vorjahr, für das Trainingslager selbst erstellen.

Also ein geleitetes TL auf Mallorca nicht mehr aber vielleicht irgendwo anders auf dieser Welt 😉

Der Bericht über den Wien-Marathon folgt (hoffentlich) in Kürze.
Aber zuerst geht es nach Tokyo, die Tochter besuchen 🙂

 

Mitteldistanz ??

In den Vorjahren bin ich stets gut damit gefahren in der Vorbereitung auf die Langdistanz nur eine
Olympische Distanz in Erding als Wettkampf zu obsolvieren.
Allerdings habe ich schon immer damit geliebäugelt, auch mal eine Mitteldistanz als Vorbereitungs-
wettkampf zu machen.
Nun bin ich hin- und hergerissen. Soll ich nicht lieber zur Sicherheit am Bewährten festhalten und es bei der OD
belassen? Aber warum nicht einmal etwas Neues wagen und eine MD/ 70.3 machen???
Der späte Termin für den IM Hamburg lädt eigentlich geradewegs dazu ein.
Wenn ja, welchen Wettkampf und mit welcher Intensität? Da es ein Vorbereitungswettkampf sein soll,
doch vielleicht nur mit 85-90% ? Aber ich glaube, dass kann ich gar nicht. Mit einer Startnummer versehen
und somit im Wettkampfmodus gebe ich halt, was an dem Tag möglich ist.

Als Veranstaltung wird von vielen bekannten die 70.3 in Kraichgau sehr empfohlen. Allerdings weiß ich nicht,
ob ich bei dem Streckenprofil auf dem Rad überhaupt die Berge hochkomme (also kann ich die 90% sowieso vergessen;-) .
Ich werde mal schauen, wie ich auf Mallorca so drauf bin und mir hier auch noch ein paar Tipps holen.

Unglaublich

dass die ersten beiden Monate in diesem Jahr schon wieder um sind.
Unglaublich auch, dass ich heute hier zum ersten Mal in diesem Jahr poste.
Ich weiß gar nicht woran es liegt, denn das Jahr 2017 hat mit dem Aktiv-Camp
über den Jahreswechsel sehr gut angefangen. Traditionell bei mir mit dem Lauf
am Neujahrsmorgen. 
Diesmal bei Kälte und gefrorenen Boden, aber auch bei
herrlichen Sonnenschein,
wurde der Fuschlsee umrundet.
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Angefixt durch die schönen Mountainbike Touren durch das leicht verschneite Salzburger Land,
habe ich mir kurz entschlossen, dass sind sowieso die besten Anschaffungen 😉 , zum Schnäppchenpreis ein 29er MTB zugelegt.
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Aber kaum wieder Zuhause hat der Schlendrian Einzug gehalten, zumindest trainingstechnisch.
Irgendwie konnte ich mich einfach nicht aufraffen 😦 . Natürlich kann ich die wirklich viele Arbeit als Ausrede heranziehen, stimmt sogar, aber das zählt nicht wirklich.

Zum Monatsende kam dann noch ein Todesfall in der Familie dazu und so fing das Jahr 2017 leider nicht so gut an.
Aber nachdem das Meiste inzwischen wieder geregelt ist, geht es seit Mitte Februar auch wieder aufwärts.

Das zeigt sich auch an den Wettkämpfen an denen ich im Rahmen der Winterlaufserie im Olympiapark teilgenommen habe. Während ich beim 15 KM-Lauf im Januar noch wirklich schlecht drauf war, lief es beim 20 KM-Lauf Mitte Februar schon richtig gut, bei der 15 KM-Marke war ich vier Minuten! schneller als im Januar und mit einer Zeit von 1:43 Std. war ich dann auch sehr zufrieden 🙂 .  

Da die Temperaturen nun auch langsam wieder wärmer werden, ich bin nicht wirklich für Kälte geschaffen,
gilt es das Versäumte aufzuholen, damit ich mit einer, wenn auch kleinen, Grundlage ab Mitte März ins
Trainingslager nach Mallorca fahren kann 🙂 .
Darauf freue ich mich und werde berichten.

Jahresrückblick 2016

Und schwubs war 2016 schon wieder um. Es ist wohl doch etwas daran, dass im Alter die Zeit schneller vergeht ;-).

Vorab noch etwas, dass mich nachdenklich gemacht hat. In der Zeit vor Weihnachten und zwischen den Jahren war mir aufgefallen, dass viele Menschen im Verwandten- und Bekanntenkreis mit dem ablaufenden Jahr nicht zufrieden waren. Obwohl sie gesund sind,
Familie haben, einen Job, der sie ernährt und auch sonst, keine mir bekannten Rückschläge erleiden mussten. Mir scheint es, dass es einen immer größeren Trend zur allgemeinen, unbegründeten Unzufriedenheit gibt, was ich sehr bedauere.
Dem möchte ich einfach mal entgegen wirken und sagen, ich bin gesund und (halbwegs) fit, habe ein (warmes) Dach über den Kopf, der Familie (wenn ja ziemlich verstreut) geht es gut, ich habe genug zu essen und zu trinken und kann mir und auch Anderen den ein oder anderen Wunsch erfüllen. Mir geht es also richtig gut und 2016 war ein tolles Jahr!!!

So, jetzt aber zum sportlichen Rückblick.

Diesmal Anfang März ohne Erkältung war es eine gute Radwoche im Ironman-Trainingslager und dann noch einmal auf eigene Faust eine Trainingswoche im Mai auf Mallorca.

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Nein, der Füßgänger hat mich nicht überholt!

Das waren die Voraussetzungen um bei der inzwischen vierten Langdistanz, diesmal wieder in Roth, endlich einmal unter die 13 Stundenmarke zu kommen. Was bei angenehmen Temperaturen und mit tatkräftiger Unterstützung durch meine Tochter Denise mit 12:53 Stunden auch gut geklappt hat.
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Im Herbst konnte ich dann mit 47 Minuten über 10 KM und 1:47 Stunden über Halbmarathon endlich mal wieder Zeiten laufen wie seit Jahrzehnten!  🙂 nicht mehr.

Mitte November ging es dann noch nach Kuba zum Marathon und auf Rundreise über diese beeindruckende Insel. Voll bepackt mit interessanten Eindrücken und etwas karibische Sonne im Gepäck ging es dann etwas leichter in das herbstlich, winterliche Deutschland zurück.
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Um nach den Weihnachtstagen im Kreise der Familie das Jahr in einem Aktiv-Camp mit Nicole und Lothar Leder im Hotel Mohrenwirt am Fuschlsee sportlich ausklingen zu lassen.

Bei weitem überwiegen beim sportlichen Rückblick auf 2016 die positiven Momente und in nackten Zahlen sieht es so aus:

Laufen                    1.825 Km = 165 Std.
Rad                         4.008 Km = 161 Std.
Schwimmen              74 Km =   43 Std.
Ja, ich weiß, meine Aktivitäten im nassen Element sind nicht besser geworden, aber ich habe es  im Gefühl, dass 2017 ein gutes Schwimmjahr werden wird 😉

Zum Schluß noch ein kleiner Ausblick auf 2017.

Mit dem Marathon in Wien am 23.04.2017 und meiner fünften ( und letzten 😉 Langdistanz am 13.08.2017 in Hamburg liegen die beiden Schwerpunkte und Hauptziele fest.
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Das Training hierfür gestalte ich wieder selbst und darüber und über den ein oder anderen Vorbereitungswettkampf werde ich hier berichten.

Also wenn 2017 das Jahr 2016 noch toppen will, muss es sich schon sehr anstrengen. Nur nicht zuviel, denn dann wäre es kaum auszuhalten 🙂

Ich wünsche euch ein spannendes und aufregendes Jahr 2017 mit vielen bewegenden Momenten und vor allem beste Gesundheit.
Update: Leider habe ich gerade den totalen Durchhänger und die wirklich viele Arbeit ist eine gute Ausrede um nicht zu trainieren 😦

Kuba Teil 2

Wegen ordentlich viel Arbeit vor Weihnachten war leider keine Zeit für den Blog und zum Sport.
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Aber jetzt wie angekündigt hier etwas mehr über Land und Leute und etwas mehr über den Marathon hinaus.
Die Kuba-Reise, mit einem Laufveranstalter, ist am besten in drei Bereiche aufzuteilen, weil jeder Teil für sich mir eine ganz andere Seite von Kuba gezeigt hat.
Die ersten Tage gehörten der Hauptstadt Havanna, ebenfalls mit ganz unterschiedlichen Gesichtern.
Mit fast 3 Millionen Einwohnern natürlich sehr laut und und durch die unzähligen (ur-) alten Fahrzeuge auch sehr stickig. Wenn an der Ampel neben einem einer dieser alten LKW angefahren ist, stand man in einer schwarzen Wolke von Abgasen, was sich beim Laufen noch besonders negativ auswirkte. Ich weiß nicht, was dort getankt wurde, aber unser Heizöl ist Eau de Toilette dagegen. Zum ersten Mal, dass ich unseren TÜV und die ASU zu schätzen wußte ;.) .
Ja, trotzdem sind wir mit einem Oldtimer aus den 50-iger Jahren ( auf Wunsch einer einzelnen Dame im pinken! Cadillac) und offenem Verdeck durch die Stadt gecruist.
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Havanna ist aber auch eine Stadt, die mit schönen breiten Boulevards aufwarten kann und auch mit herrlichen, eindrucksvollen Kolonialgebäuden, die inzwischen z. T. renoviert wurden. Die Stadt ist auf den Tourismus als Haupteinnahmequelle, mit allen Vor- und Nachteilen eingestellt und auch angewiesen. So werden Castro, Che Guevara, aber auch Hemmingway in allen erdenklichen Formen vermarktet.


Wenn man allerdings hinter die Prachtbauten wie dem z. B. dem Kapitol  schaut, sieht man sehr deutlich, dass es an allen Erdenklichen mangelt und in Ruinen, bei denen nur noch die Grundmauern stehen, tatsächlich Menschen wohnen.


Das man bei den Hotels gegenüber dem gewohnten Standard Abstriche machen musste, war im Vorfeld zu lesen. Das in einem 4 Sterne Haus schon mal der Aufzug und auch das Licht ausfallen können und möglichst nicht zu viele gleichzeitig duschen sollten und mangels Geschirr auch nicht alle zur gleichen Zeit zum Essen gehen konnten, kann ich alles noch nachvollziehen. Aber dafür über € 200,- die Nacht zu verlangen, ist dann doch nicht so ganz nachvollziehbar. Da es auch anders geht, haben wir auf der Rundreise erfahren.

Auf der Rundreise über die Insel mit Aufenthalten in Cienfuegos, Santa Cruz und Trinidad fühlte ich mich weit in die Vergangenheit versetzt. Nein, selbst aus meiner Kindheit kannte ich diese Verhältnisse aus Deutschland nicht mehr, höchstens aus alten Filmen. Außerhalb der Städte, auf dem Land sind Pferdekarren noch das wichtigste Transportmittel und Ochsengespanne für die Arbeit auf dem Feld unverzichtbar. Riesige Zuckerrohrfelder werden wieder von Hand mit der Machete abgeerntet. Die Reiseleitung vom kubanischen Ministerium für Tourismus erklärte uns, dass es durchaus auch Trecker und andere landwirtschaftliche Maschinen gab, aber es Anfang der 90-iger Jahre mit dem Zerfall der Sowjetunion schlagartig damit vorbei war. Es gab dann keine Maschinen und auch keine Ersatzteile mehr.
Trinidad hingegen, herausgeputzt für die Touristen, glänzte mit beeindruckenden Villen und Clubs in unmittelbarer Strandnähe.

Der Ortskern ist komplett mit Kopfsteinpflaster, eingeführt aus Boston!, ausgelegt, was besonders am Abend bei entsprechender Beleuchtung sein besonderes Flair entfaltet.
Bei zwei Übernachtungen in sog. Casa Particular konnten wir sehen, was trotz widriger Umstände möglich ist, wenn man den Leuten die Eigeninitiative überlässt. Saubere Zimmer und Bäder mit fließend warmen Wasser und einer Verpflegung die nichts zu wünschen übrig ließ. So sah z. B. die Vitaminzufuhr beim Frühstück aus.
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Säfte und Kaffee ebenfalls alles frisch zubereitet. Obwohl der Staat hohe Lizenzgebühren für die Privatvermietung verlangt, ist der Drang hier selbst etwas auf die Beine zu stellen, deutlich spürbar.

Zum Ende der Rundreise ging es nach Varadero. Das ist der Touristenort auf Kuba für den Strandurlaub. Hier erstrecken sich auf über 15 Km eine Hotelanlage an die andere und damit ist es hier auch nicht anders als auf den Balearen oder dem spanischen Festland. Allerdings Ende November vlt. doch etwas wärmer 🙂 . Genau das richtige für lange Strandspaziergänge und herrliches Schwimmen im 26° warmen Meer. Es zeigte sich einmal wieder, dass reine Läufer, im Gegensatz zu Triathleten, nicht wirklich gern schwimmen gehen. Ich konnte jedenfalls Keinen dazu gewinnen mit mir die vlt. 500 m bis zur letzten Boje hinaus zu schwimmen 😉 . Zugegeben der Rückweg durch die Wellen war nicht ganz so leicht, aber für mich wäre es eine Sünde gewesen, die Möglichkeit nicht zu nutzen.
Aber auch die schönsten Tage gehen einmal zu Ende und so saßen wir dann auch im Flieger zurück nach Deutschland. Aber dann hatte, wer auch immer,ein einsehen mit uns und wir durften aufgrund eines technischen Mangels am Flugzeug noch einen weiteren Tag auf Kuba verbringen. Leider hatten wir nicht viel davon, denn außer einer weiteren Nacht im Hotel haben wir den Rest der Zeit mit Warten in der Abflughalle verbracht. 😦 .

Fazit: Auch wenn meine Vorstellungen etwas anders waren, so bin ich doch sehr froh diese Reise gemacht zu haben und Kuba als eine Insel mit vielen Gesichtern kennengelernt zu haben. Ich bin mir nur nicht im Klaren, was ich den Kubanern wünschen soll. Auch wenn mit Ende der Castro-Ära das Embargo gelockert oder sogar aufgehoben werden sollte, bedarf es großer Anstrengungen um das Land wirtschaftlich wieder auf die Beine zu stellen.
Hoffentlich gelingt das so, dass auch die Bevölkerung etwas davon hat und nicht nur amerikanische und europäische Großkonzerne davon profitieren.

Danke noch einmal an die neugewonnen Lauffreunde. Es hat mit euch sehr viel Spaß und Kuba noch schöner gemacht (und danke auch für die vielen Fotos) .

P.S.: Sportlich nervt mich die Marathonzeit doch ein wenig. Deshalb ist weit im Hinterkopf die Überlegung, in 2017 doch noch einmal zu versuchen einen Marathon unter 4 Stunden zu laufen 😉 .

Hier noch ein paar Fotos

Cuba libre Der Bericht Teil 1

Ich weiß gar nicht mehr so genau, was der Anstoß für mein Interesse an Kuba war. Ich wollte die Insel im Dreieck zwischen Atlantik, dem Golf von Mexiko und der Karibik mit ihren weißen Stränden, den Oldtimern aus den 50-iger Jahren und der beschwingten Leichtigkeit im Salsa-Rhythmus einfach einmal kennenlernen.
Als ich dann noch mitbekam, dass der Havanna-Marathon im November stattfindet, war sehr schnell klar, dass ich dorthin will 😉
Nach dem ersten Schnee hier bereits im Oktober, der zunehmenden Kälte und vor Beginn der Weihnachtszeit freute ich mich sehr darauf, in diesem Jahr noch einmal Sonne, Strand und Meer genießen zu können.

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Nach gut 11 Stunden Flug, mit Zubringer über Düsseldorf, empfing mich Havanna dann auch mit den eben erwähnten Zutaten.
Trotz des bevorstehenden Marathons wurden die nächsten Tage ausgiebig genutzt, um Kubas Hauptstadt zu erkunden.
Mehr über Land und Leute gibt es dann im 2. Teil.
Bei der Streckenbesichtigung (im Bus 🙂 ) wurde mir klar, dass der Kurs nicht wie angekündigt durchgängig flach war, sondern doch einige Steigungen dabei waren.
Auf der 21 Km Runde waren vier Anstiege, mal kurz und steil, mal langgezogen und nicht ganz so steil, zu bewältigen.
Davon später noch mehr.

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Am Sonntag ging es endlich los. Es ist schon ein tolles Gefühl, morgens um 6:30 Uhr in kurzer Laufbekleidung und bei bereits angenehmen Temperaturen die 300 m zum Start zugehen. Nach den obligatorischen Pre-Start Fotos (folgen) fiel pünktlich um 7:00 Uhr der Startschuss.
Da alle drei Distanzen, die 10 Km, der Halbmarathon und auch der Marathon gleichzeitig gestartet wurden, war es am Anfang noch recht eng auf der Strecke. Fast alle Kubaner/-innen die am Start waren liefen die 10 Km. Beim Blick auf das Schuhwerk war ich schon erschrocken. Völlig durchlöcherte „Laufschuhe“ mit Sohlen, die nicht wirklich mehr vorhanden waren. Gleich daneben allerdings kubanische Teenies in den neuesten Adidas-Modellen.  Diese Gegensätze waren schon echt krass.
Gute 2 Km nach dem Start entspannte sich die Enge auf der Strecke , denn von nun an liefen wir die nächsten 6 Km auf dem Malecon. Der berühmten breiten Uferstraße Havannas, die für den gesamten Verkehr gesperrt war. Hier sollten wir auf der 2. Runde noch besonders Spaß haben 🙂 .
Nachdem wir den Malecon hinter uns gelassen hatten, ging es weiter auf Havannas Straßen, vorbei an einigen Wahrzeichen, wie den Platz der Revolution und dem Kapitol. Hier war das Ziel für den Halbmarathon und für uns wurde die 2. Runde eingeläutet (eine hätte mir auch gereicht 😉 .
Schlagartig wurde es leerer auf der Strecke und zunehmend auch heißer. Auf dem Malecon Stand nun die Hitze bzw. es kam uns ein sehr warmer Wind entgegen. Zum Glück hatte ich mich vor dem Start gut eingecremt 🙂 . Da es an den Verpflegungsstellen nur Wasser (auf der 2. Runde auch mit Frucht-Geschmack) gab, hatte ich ein paar Gels dabei, die jetzt verstärkt zum Einsatz kamen. Das Wasser gab es in handlichen Trinkbeuteln, in die man reinbeißen musste, um an den Inhalt zu kommen.
Da alles half mir nicht wirklich viel, denn ab Km 29 und damit viel zu früh!!!, wurden die Beine richtig schwer 😦 .
Die Anstiege bei Km 31 und Km 34 halfen mit, dass sich die Muskulatur weiter verhärtete.
Nur nicht gehen, nicht gehen, nicht gehen wurde zu meinem Mantra und bis auf die letzten beiden Verpflegungsstellen habe ich es auch durchgehalten nicht zu gehen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das dahinkriechen noch etwas mit laufen zu tun hatte.
Leider blieb auch der erwartete und dringend benötigte Zuspruch der Zuschauer, die an der Strecke standen, aus. Bis auf wenige Ausnahmen, wahrscheinlich die Angehörigen der Läufer, wirkten die Zuschauer eher desinteressiert, tw. auch gelangweilt. Eigentlich ganz im Gegensatz zu dem, was ich mir unter karibischer Lebensart und Begeisterung erhofft hatte. Schade. Etwas heiterte die Stimmung zwischendurch dann doch auf. Das waren die Streckenposten, nicht weil sie uns Läufer euphorisch anfeuerten, nein, weil sie noch per Hand mit Bleistift unsere Startnummern notierten, zum Beweis, dass wir auch tatsächlich am Posten vorbeigelaufen sind 🙂 .
Auf dem Weg zum letzten Anstieg, bei Km 39, habe ich mir selbst klargemacht, dass ich bei einem Ultra wie den Two Oceans oder gar dem Rennsteiglauf, nichts, aber auch gar nichts zu suchen haben, wenn ich bei einem normalen Marathon schon so an meine Grenzen komme.
Info an mich: Falls du mal wieder auf dumme Gedanken kommst, besinne dich auf Km 39 in Havanna!! 😉 
Etwas, was mich im nachhinein noch zum Schmunzeln bringt war, dass mich so ca. 300m vor dem Ziel noch zwei Läufer überholen wollten.
Aber das doch nun wirklich nicht. Ich quäle mich doch hier nicht über Stunden, um dann kurz vor dem Zielbogen überlaufen zu werden.
Ich schwöre ich weiß nicht, wo es ich es noch hergeholt habe, aber ich konnte Beide bis ins Ziel noch auf Distanz halten 😉 .
Dankend habe ich im Ziel die Medaille in Empfang genommen und mich auf die Dusche und ausreichend Kaltgetränke gefreut.

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Fazit. Bin ich enttäuscht aufgrund der miserablen Zeit von 4:34 Stunden (beim Ironman bin ich im Marathon nicht langsamer)?
Natürlich hatte ich mir aufgrund der guten Zeiten im Vorfeld über die 10 km und dem Halbmarathon mehr ausgerechnet, aber eigentlich war ich froh, das Ding ins Ziel gebracht zu haben. Die sehr erfahrenen Läufer/-innen sprachen von einem Zeitaufschlag von 30 – 35 Minuten gegenüber einem „normalen“ Marathon. Das tröstet mich nicht wirklich, muss es aber auch nicht. Insgesamt war der Havanna-Marathon eine sehr interessante Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Teil 2 mit etwas mehr über Kuba folgt in Kürze.